Rudelführer – oder WAS?

 

Über die menschlische Dummheit und ihre Auswirkungen auf die American Akita Haltung 

Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.

Albert Einstein

Ich stehe immer noch mit einigen ehemaligen ForenteilnehmernInnen in persönlichem Kontakt und von Zeit zu Zeit, telefonieren wir. Im Zuge dieser Telefonate werden dann auch Thematiken um American Akita Erziehung, Ausbildung, Haltung, etc. besprochen.

So auch gestern Abend.

Früher, als das Forum noch offen war, wurden solche Themen über dieses behandelt. Bei uns gab es keine „dummen Fragen“ und es wurde auch niemand für eine Frage – war sie auch noch so banal – herabgewürdigt. JEDE Frage war wichtig und wurde von uns Ernst genommen und in eben jener gebotenen Ernsthaftigkeit behandelt. Das Forenteam lebte diese Werthaltung vor und legte allergrößte Gewichtung darauf, daß dies von jedem Teilnehmenden uneingeschränkt geteilt wird.

Und so trat man gestern Abend mit der Problemstellung an mich heran, daß man nicht wisse, WIE man Schmuseeinheiten und soziale Nähe besser gestalten und optimieren könne; denn ein Rudelführer gehe ja nicht vor seinem Hund zu Boden. Natürlich wurde diese Frage von mir in der gebotenen Ausführlichkeit beantwortet und mit der notwendigen Ernsthaftigkeit behandelt.

Auf meine Nachfrage hin, wie man denn auf sowas komme, Antwortete man mir: „Ich habe das gehört/gelesen….

Gerade im Hundewesen gibt es auffällig viele „Experten“ – die können ALLES – mitm Maul. Nur vorzuweisen haben die nichts!

Gerade ErsthundehalterInnen lassen sich durch solch hohle Phrasendrescherei beeindrucken und in Richtungen Lenken, welche dazu angetan sind, ihnen später Probleme zu bereiten, oder so wie hier – ihnen und ihrem American Akita essentielle Formen der zwischenartlichen Kommunikation vorzuenthalten.

Es gibt genau zwei Dinge, mit denen man mich aus der Reserve locken kann:

Das eine ist ein dummer, hohler Schwätzer!

Das zweite sind, in Entbehrung jeglichen Fachwissens und unter Negierung wissenschaftlichen Erkenntnisstandes hingelaberte, oder hingeschmierte Pauschalisierungen! 

Was ist dran, an einer solchen Aussage?

Ein „kynologischer Lehrsatz“ den mir als Bub, mein Vater (ein absolut beratungsresistenter und sich in seiner Unwissenheit suhlender Schutzhundesportler) einbleute war:

„Du darfst Dich niemals vor dem Hund erniedrigen, niemals vor dem Hund klein machen. Du mußt immer größer als der Hund sein und über ihm stehen! Sonst wird der Hund dich nie mehr Ernst nehmen und Dich sofort dominieren!“

Ins Umdenken kam ich, als ich als Bub mit einem unserer Schäferhunde an der Leine, beim Toben auf Schotter ausgerutscht und übel gestürzt war. Ich hatte mir die Knie und Ellbogen übel zugerichtet, lag vor Schmerzen stöhnend am Boden und konnte mich nicht gleich erheben. Alf, einer unserer DSH – Rüden stellte sich sofort schützend über mich und sicherte mich ab. Als einer meiner Schulfreunde mir zu Hilfe eilte, um mir auf die Beine zu Helfen, warnte ihn Alf, mir nicht näher zu Treten. Alf knurrte böse und zeigte sein entblößtes Gebiß, gepaart mit einer eindeutigen Drohhaltung. Ich rief meinem Schulkameraden zu, nur ja nicht näher zu kommen, sonst würde Alf angreifen, um mich zu verteidigen. Nun, als ich mich „sortiert“ hatte, stand ich auf, beruhigte Alf und als er mich wieder stehen sah, wich sein Schutztrieb wieder normalem Sozialverhalten und Alf ging wieder vorbehaltlos mit meinem Schulkameraden um.

Hätte nun die Theorie meines Vaters gestimmt, hätte Alf mich in dem Moment, als ich hilflos und unter ihm lag, Attackieren müssen….. – und ich darf Ihnen versichern: Alf nahm mich auch weiterhin absolut Ernst und gehorchte mir zuverlässig!

Im vorigen Frühjahr machte ich mit unseren American Akita eine ähnliche Erfahrung, als ich unvermittelt umknickte und mir ein Band am rechten Fuß abriß. Als ich mit einem Schmerzensschrei zu Boden ging, kamen Nanuk und Snowe sofort zu mir. Snowe blieb mit Köperkontakt bei mir, während Nanuk umgehend unter Drohgesten und mit einem tiefen Grollen die Umgebung sicherte…..

 Rudelführer?

Immer wieder begegnen uns im Hundewesen diese absolut hanebüchen und veralteten Dominanztheorien!

Ich versichere Ihnen: weder Sie, noch ich, noch sonstwer bildet mit seinen Familienhunden einen Rudelverband! 

Nun, in dem von mir 9 Jahre geleiteten American Akita Fach Forum trug ich Anti – Intellektuellen Teilnehmenden und hartnäckigen Wissenschaftsverweigerern schon einmal einen Blick ins Deutsche Wörterbuch an. 

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Dort kann man sich dann die Definition von „Rudel“ anlesen….. – ich möchte diese auch jetzt gar nicht an dieser Stelle überstrapazieren.

Was ist mit: sich zum Hund auf den Boden Knien/Legen?

Nun – ich lerne ja aufgrund meiner langjährigen Vermittlungstätigkeit insbesondere verhaltensauffällig gewordener American Akita, über das von mir betriebene American Akita Fach Forum und zu Ausbildungszwecken, viele American Akita kennen.

Es gibt sowohl situative Bedingungen, sowie Individuen, vor denen würde ich mich weder hinknien, noch hinlegen und schon gar nicht mein Gesicht darbieten.

Ein Beispiel hierfür war mein ehemaliger Edukant „Bobby“. CIMG3617

Aufgrund seiner, sozialen Nichteinordnung erging er sich, in zum Teil massiven Fremdaggressionen und Übergriffigkeit gegen Menschen. Man muß einen Hund in diesem Verhaltensstadium nicht auch noch zu Übergriffen einladen.

Der Vollständigkeit halber sei hier kurz erwähnt, daß es noch weitere Aspekte gibt, wann man sich entweder nicht auf die Höhe des Hundes begeben sollte, noch ihm ohne Gegenleistung soziale Kontakte anbieten sollte…

Aber solche Aspekte sind nicht Thema dieses Artikels. Ich habe diese auch nur zur Veranschaulichung kurz angeschnitten, um auf die Vielschichtigkeit dieser, als sehr differenziert zu betrachtenden Thematik hin zu weisen.

Artübergreifende Kommunikation, sowie Soziale Kontakte

Math und Schnäuz

Gehen wir einmal davon aus, sie haben in der Erziehung und Sozialen Einordnung ihres American Akita mehr richtig denn falsch gemacht. Dann steht Ihre beiderseitige Beziehung zumindest auf einem soliden Fundament. Gehen wir davon aus, daß Sie keine Verhaltensbedingten (meist Mensch – gemachten) Probleme mit Ihrem American Akita haben. Aus welchem Grunde sollten Sie sich dann nicht zu Ihrem American Akita hinknien, sich zu ihm auf den Boden Legen, ihm Nähe und Wärme anbieten?

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Das Kontaktliegen ist ein essentielles Grundbedürfnis – nicht NUR für American Akita – aber ausschließlich um diesen geht es hier.

Das Artübergreifende Kontaktliegen, also das Kontaktliegen zwischen Ihrem American Akita und Ihnen fördert die (GEGENSEITIGE) Vertrautheit und die soziale Nähe und es schafft Bindung zwischen Ihnen und Ihrem American Akita!

Die Empfindungen, welche durch Kontaktliegen entstehen, wirken sich als Partnerbindend aus und sie sollten, gemäß meiner vorerwähnten Ausführungen, regelmäßig gepflegt werden. Natürlich sollten das Regelwerk der Erziehung und Sozialisation hiervon unangetastet weitergeführt werden.

Mein Fazit:

Wenn Sie sich selbst und Ihrem American Akita, aufgrund von Ratschlägen dummer Menschen, infolge der Kolportation von Halbwahrheiten die Möglichkeiten, welche das Kontaktliegen bietet, vorenthalten, bringen sie Sich beide um viele Wunderbare, Wertvolle und vor allem unwiederbringliche Momente!

mnnerliebe
Vertrauen schafft sichere Bindung. Ein American Akita bindet sich ausschließlich an DEN, den er Respektiert und Liebt!

 

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